Kaiser Leo und sein neuer Schlafanzug
10 Seiten · 3 Min. · ab 5 Jahren
Nach: Danish (Hans Christian Andersen)


Kaiser Leo liebte bunte Kleider. Er wechselte seine Kleidung oft. Er hatte viele rote Samtumhänge. Er trug Hüte mit Federn. Sein Schrank war sehr voll. Alle Leute mochten seinen Stil. Leo suchte einen neuen Schneider.

Zwei kluge Männer kamen zum Schloss. Sie sagten, sie seien besondere Weber. Sie erzählten von einem Zauberstoff. Nur schlaue Leute sahen ihn. Dumme Leute sahen gar nichts. Der Kaiser war nun sehr neugierig. Er gab ihnen viel Gold. Sie fingen sofort zu arbeiten an.

Die Weber bauten einen Webstuhl auf. Sie taten so, als würden sie weben. Aber der Webstuhl war leer. Es gab keine Seide oder Wolle. Die Weber bewegten ihre Hände schnell. Sie taten so, als ob sie arbeiteten. Sie wollten viele glänzende Edelsteine. Leo gab ihnen alles.

Leo schickte seinen weisen Minister. Der Minister sah den Webstuhl an. Er sah absolut gar nichts darauf. Er rieb sich fest die Augen. Er wollte nicht dumm wirken. „Die Farben sind prächtig“, lügte er. Er erzählte Leo vom tollen Stoff. Er war ein bisschen nervös.

Bald besuchte der Kaiser die Weber. Er starrte in die leere Luft. Leo konnte keine Kleidung sehen. Er hatte ein bisschen Angst. Bin ich etwa ein dummer Mann? „Der Anzug ist herrlich!“ rief er. Er wollte keinen Fehler machen. Alle anderen nickten ganz schnell.

Heute war der Tag der Parade. Die Weber halfen beim Anziehen. Sie hoben einen schweren Umhang hoch. Sie schlossen eine unsichtbare Jacke. Leo stand in seinem blauen Schlafanzug. Er sah in den Spiegel. Er rückte seinen Kragen zurecht. Er ging hinaus in die Sonne.

Die Leute standen an der Straße. Sie sahen den gemütlichen Schlafanzug. Niemand wollte heute dumm aussehen. „Schaut euch die goldene Spitze an!“ „Die Muster sind so kräftig!“ Sie klatschten für den unsichtbaren Anzug. Alle klatschten sehr, sehr laut. Der Kaiser fühlte sich sehr stolz.

Ein kleines Mädchen namens Mia schaute. Sie sah den Schlafanzug des Kaisers. Sie sah dort keinen Zauberstoff. „Er trägt ja seinen Schlafanzug!“ sagte sie. Ihre Stimme war laut und klar. Alle Leute wurden plötzlich ganz leise. Alle sahen das kleine Mädchen an. Der Kaiser blieb stehen.

Er sah seinen blauen Schlafanzug an. Er starrte in die leere Luft. Dann fing er an zu kichern. Bald lachte er sehr laut. „Sie hat recht!“ rief der Kaiser. Er fühlte sich froh und leicht. Die Wahrheit war besser als Lügen. Er gab Mia einen goldenen Stern.

Die Weber sagten: „Es tut uns leid.“ Sie wollten nun immer ehrlich sein. Sie wurden die echten Schneider. Sie nähten weiche Mäntel aus Wolle. Mia wurde Leos beste Freundin. Sie sagte ihm immer die Wahrheit. Ehrlichkeit fühlte sich sehr gut an. Die Stadt war voller Lächeln.