Dorothys wunderbare Reise nach Oz

15 Seiten · 11 Min. · ab 6 Jahren

Nach: American (L. Frank Baum, 1900)

Dorothys wunderbare Reise nach OzDorothys wunderbare Reise nach Oz – Bild 1

In dem flachen, staubigen Land Kansas wohnte ein kleines Mädchen namens Dorothy. Sie lebte in einem kleinen Holzhaus mit ihrem Hund Toto. Eines Nachmittags wurde der Himmel plötzlich ganz grau. Ein riesiger Wirbelsturm, den man Tornado nennt, begann sich zu drehen. Hoch oben in den Wolken hatte ein grummeliger Wettergeist einen schlechten Tag und pustete fest zur Erde. Der Wind war so stark, dass er Dorothys Haus einfach vom Boden hochhob. Das Haus flog weit durch die Luft. Dorothy und Toto kuschelten sich eng aneinander. Sie schwebten wie ein Blatt im Wind. Nach langer Zeit landete das Haus mit einem sanften Plumps in einem wunderschönen, sonnigen Land.

Dorothys wunderbare Reise nach Oz – Bild 2

Als Dorothy die Haustür öffnete, staunte sie über die leuchtenden Blumen und die schimmernden blauen Vögel. Sie war nicht mehr in Kansas. Sie war im zauberhaften Land Oz angekommen! Eine liebe Dame in einem glitzernden Kleid begrüßte sie. Sie erzählte Dorothy, dass dies das Land der Munchkins sei. Die Dame schenkte Dorothy ein Paar magische silberne Schuhe. Dorothy wollte gerne zurück nach Hause zu ihrer Familie, aber der Weg war sehr weit und unbekannt. Die Dame sagte: „Folge der gelben Ziegelsteinstraße bis zur Smaragdstadt. Dort wohnt ein großer Zauberer.“ Mit Toto an ihrer Seite machte Dorothy den ersten Schritt auf den leuchtenden Weg. Sie war ein bisschen aufgeregt.

Dorothys wunderbare Reise nach Oz – Bild 3

Während Dorothy den Weg entlangging, sah sie eine hohe Vogelscheuche auf einem Feld. Die Vogelscheuche sah sehr einsam aus. Sie seufzte, weil sie dachte, sie hätte keinen Verstand in ihrem Strohkopf. Dorothy half ihr vom Pfahl herunter. Die Vogelscheuche entschied sich, Dorothy zum Zauberer zu begleiten. Sie hoffte, dass der Zauberer ihr einen Verstand geben konnte. Dann könnte sie kluge Gedanken denken. Obwohl sie sich tollpatschig fühlte, achtete die Vogelscheuche auf jedes kleine Detail am Wegrand. Sie zeigte Dorothy die besten Stellen zum Laufen. Dorothy lächelte. Sie merkte, dass ihr neuer Freund schon jetzt sehr aufmerksam und hilfreich war.

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Ein Stück weiter hörten die Freunde ein seltsames Quietschen aus einem dichten Wald. Dort fanden sie einen Mann, der ganz aus Zinn bestand. Er hielt eine Axt in der Hand und konnte sich gar nicht mehr bewegen. Dorothy fand eine Ölkanne und ölte vorsichtig seine Gelenke. Endlich konnte der Zinnmann seine Arme und Beine wieder bewegen. Er erzählte ihnen, dass er auch zum Zauberer gehen wollte. Er wünschte sich ein Herz, um Liebe und Mitgefühl zu fühlen. Während sie wanderten, passte der Zinnmann gut auf. Er wollte keine einzige kleine Ameise auf dem Boden verletzen. Er war so sanft, dass Dorothy sich fragte, ob er nicht schon das gütigste Herz von allen hatte.

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Plötzlich schallte ein lautes Brüllen durch den Wald. Ein riesiger Löwe sprang hinter einem Busch hervor. Er sah sehr gefährlich aus. Doch als Toto ihn anbellte, versteckte sich der Löwe hinter einem Baum und fing an zu weinen. Er erzählte ihnen, dass er ein feiger Löwe sei. Er hatte sogar vor seinem eigenen Schatten Angst. Er wollte, dass der Zauberer ihm Mut schenkte. Dorothy streichelte seine weiche Mähne und lud ihn ein, mitzukommen. Sie versprachen, aufeinander aufzupassen. Der Löwe fühlte sich mit Freunden viel besser. Er ließ Toto sogar auf seinem Rücken reiten. Gemeinsam gingen die vier Freunde und der kleine Hund weiter zur Smaragdstadt.

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Der Pfad wurde schwierig. Sie kamen in einen dunklen Teil des Waldes, wo die Bäume eng beieinander standen. Die Vogelscheuche nutzte ihre klugen Augen, um einen versteckten Weg zu finden, dem alle leicht folgen konnten. Als sie an einen breiten, tiefen Fluss kamen, hatte der Zinnmann eine wunderbare Idee. Er nahm seine Axt und fällte einen hohen Baum. Der Baum fiel genau über das Wasser wie eine Brücke. Jeder Freund half dem anderen beim Hinübergehen. So rutschte niemand in das kalte, spritzende Wasser aus. Sie lernten, dass sie jedes Problem lösen konnten, wenn sie gut zusammenarbeiteten.

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Als die Sonne unterging, kamen sie zu einem sehr breiten Abgrund. Er war viel zu weit zum Springen. Gerade als sie überlegten, was sie tun sollten, flatterten freundliche Fliegende Affen vom Himmel herab. Diese Affen waren gar nicht gruselig. Sie trugen kleine blaue Westen und hatten weiche Flügel. Sie boten an, die Freunde über die Schlucht zu tragen. Sie liebten es, Reisenden auf der gelben Ziegelsteinstraße zu helfen. Der Löwe hatte Angst vor dem Fliegen, aber er kniff die Augen fest zu und hielt sich gut fest. Das war sehr tapfer von ihm. Die Affen setzten alle sicher auf der anderen Seite ab und winkten zum Abschied.

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Am nächsten Morgen sahen sie endlich ein grünes Leuchten am Horizont. Es wurde mit jedem Schritt heller. Es war die Smaragdstadt! Alles dort funkelte wie echte grüne Edelsteine in der Sonne. Die Mauern der Stadt waren hoch und schön. Die Luft roch nach frischem Gras und süßer Minze. Am Tor gab ihnen ein Wächter spezielle grüne Brillen. Die Stadt war nämlich so hell, dass man die Brillen zum Schutz der Augen brauchte. In der Stadt war alles grün: die glänzenden Straßen und sogar die leckere Limonade an den Verkaufsständen. Dorothy war voller Hoffnung, dass der Zauberer ihr nun endlich helfen würde.

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Sie wurden in eine große Werkstatt geführt. Überall tickten Uhren, drehten sich Zahnräder und gab es bunte Erfindungen. In der Mitte des Raumes stand der Zauberer. Er war ein lieber alter Mann mit einem freundlichen Lächeln und einem Werkzeuggürtel. Er war kein gruseliger Riese, sondern ein kluger Tüftler, der gerne Dinge bastelte. Der Zauberer hörte sich ihre Geschichten an. Er sagte, dass er ihnen gerne helfen würde, das zu finden, was sie suchten. Er erklärte ihnen auch etwas Wichtiges: Manchmal sind die Dinge, die wir uns am meisten wünschen, schon tief in uns drin versteckt. Die Freunde schauten sich verwundert an, wollten aber mehr hören.

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Der Zauberer bat die Vogelscheuche, ein sehr schwieriges Holzpuzzle auf dem Tisch zu lösen. Die Vogelscheuche schaute sich die Teile an, dachte kurz nach und setzte sie in wenigen Sekunden perfekt zusammen. Der Zauberer lachte und sagte: „Du brauchst gar keinen neuen Verstand. Du bist schon der klügste Denker, den ich je getroffen habe!“ Damit die Vogelscheuche es auch glaubte, gab er ihr ein Diplom für ihr Wissen. Die Vogelscheuche strahlte vor Stolz. Sie merkte, dass sie ihren Freunden schon den ganzen Weg über mit ihren klugen Ideen geholfen hatte. Endlich fühlte sie sich richtig schlau.

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Dann beobachtete der Zauberer den Zinnmann. Der Zinnmann sah einen kleinen Vogel, der sich am Flügel verletzt hatte. Er lief sofort hin, hob den Vogel ganz vorsichtig auf und baute ihm ein winziges, weiches Nest zum Ausruhen. Der Zauberer sagte zum Zinnmann: „Nur jemand mit einem sehr großen Herzen kümmert sich so lieb um ein winziges Wesen.“ Er schenkte dem Zinnmann ein schönes Medaillon aus roter Seide in Form eines Herzens. Der Zinnmann spürte eine wohlige Wärme in sich. Er merkte, dass seine Güte ihn ganz besonders machte. Er brauchte kein schlagendes Herz, um die Liebe zu seinen Freunden zu spüren.

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Danach schaute der Zauberer den Löwen an. Der Löwe zitterte immer noch ein kleines bisschen vor Aufregung. Der Zauberer erinnerte den Löwen daran, wie er Dorothy im dunklen Wald beschützt hatte und wie er mutig mit den Affen geflogen war. Er sagte: „Mut bedeutet nicht, dass man keine Angst hat. Mut bedeutet, das Richtige zu tun, auch wenn man sich fürchtet.“ Der Zauberer gab dem Löwen eine goldene Medaille für Tapferkeit. Der Löwe stellte sich ganz groß hin, streckte seine Brust heraus und brüllte vor Freude. Er merkte, dass seine Liebe zu seinen Freunden ihn zum tapfersten Löwen von ganz Oz gemacht hatte.

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Schließlich sprach der Zauberer zu Dorothy. Er sagte ihr, dass sie die allergrößte Kraft besaß. Er erklärte, dass die silbernen Schuhe an ihren Füßen sie mit nur drei Schritten überallhin bringen konnten. Dorothy war durch das ganze Land gereist und hatte wunderbare Freunde gefunden. Diese Reise hatte ihr die nötige Stärke gegeben. Sie verstand nun, dass sie keinen Zauberer brauchte, um nach Hause zu kommen. Sie hatte die Kraft schon die ganze Zeit in sich selbst. Ein bisschen traurig war sie aber doch, ihre neuen Freunde zu verlassen, die wie eine Familie für sie waren. Sie versprachen sich, immer an ihre gemeinsamen Abenteuer zu denken.

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Dorothy nahm Toto auf den Arm und verabschiedete sich mit Tränen in den Augen von der Vogelscheuche, dem Zinnmann und dem feigen Löwen. Dann schlug sie ihre silbernen Hacken dreimal zusammen und wünschte sich ganz fest, wieder in Kansas zu sein. „Es ist nirgendwo so schön wie daheim“, flüsterte sie leise. Die magischen Schuhe begannen hell zu leuchten. Die Smaragdstadt verschwand langsam und Dorothy fühlte sich, als würde sie sanft durch die Luft gewirbelt. Der Wind fühlte sich diesmal warm und gut an, wie eine liebe Umarmung vom Himmel. Sie hielt Toto fest und fühlte sich sicher und glücklich.

Dorothys wunderbare Reise nach Oz – Bild 15

Als Dorothy die Augen öffnete, saß sie im hohen Gras in Kansas. Das vertraute Bauernhaus stand ganz nah dabei. Ihre Tante und ihr Onkel liefen schnell aus dem Haus, um sie zu begrüßen. Sie drückten sie ganz fest und waren froh, dass sie wieder da war. Toto wedelte mit dem Schwanz und bellte glücklich unter dem großen blauen Himmel. Dorothy sah an sich hinunter und merkte, dass die silbernen Schuhe weg waren. Aber die Erinnerungen an ihre Freunde blieben fest in ihrem Herzen. Sie wusste, dass sie niemals allein war, solange sie ihre Freunde und ihre Erinnerungen hatte. Dorothy lächelte in die Sonne. Es war wirklich nirgendwo so schön wie zu Hause.

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Auch auf English: The Wonderful Wizard of Oz

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